50 Jahre, 36 Länder und unzählige Geschichten: Hans Sigrist sagt Danke
Was 2022 in Sarnen begann, ist zu einer Reise durch die Welt der Nutzfahrzeuge geworden. Hans Sigrist hat in rund 50 Vorträgen Erinnerungen geteilt, alte Weggefährten zusammengebracht und junge Menschen für die Branche begeistert. Am 5. November 2026 steht in Lyss der letzte öffentliche Vortrag an – und nicht nur Sigrist wünscht sich dafür noch einmal ein volles Haus.
50 Jahre, 36 Länder und unzählige Geschichten: Hans Sigrist sagt Danke
Es gibt Lebensgeschichten, die passen in ein Buch. Und es gibt Lebensgeschichten, bei denen selbst ein Buch kaum ausreichen würde. Hans Sigrist, der als Lkw-Mechaniker und späterer Werkstattchef auf Geheiss des Chefs zunächst als Chauffeur Transporte in Mittelasien und im Iran fuhr und später u.a. General Motors in China vertrat, hat sich trotzdem für ein anderes Format entschieden. Stattdessen hat er seine alten Fotos digitalisiert – und damit über Vorträge eine Entwicklung ins Rollen gebracht, das er selbst wohl kaum erwartet hätte.
Am 4. Dezember 2022 begann im Pfadiheim Sarnen die Geschichte von «50 Jahre Berufsleben mit Nutzfahrzeugen in 36 Ländern». Aus dem ursprünglich geplanten Vortrag für die Routiers Sektion Obwalden wurde eine regelrechte Erfolgsgeschichte. Statt der erwarteten 30 Zuhörer kamen über 100 Menschen. Und so ging es rasch über den Heimatort hinaus.
Es folgten rund 50 Vorträge an 48 Orten in der Schweiz, in Deutschland und Österreich. Die Reise führte Hans Sigrist unter anderem nach Hamburg, München oder ins österreichische Dornbirn, wo er bei der Otto Wohlgenannt GmbH zwischen Lkw, Arbeits- und Baumaschinen vortrug. Manche Interessierte reisten zum Vortrag sogar per Easyjet aus England an.
Und immer wieder zeigte sich: Die Menschen kamen nicht nur wegen der Lastwagen, Baustellen und Geschichten aus fünf Jahrzehnten. Sie kamen auch, um alte Bekannte wiederzusehen – und die über 200 Fotos, die die spannende Story untermalen. Schliesslich wollten zwischen 250 bis zu 400 Leute die Vorträge hören, darunter auch Unentwegte. In Chur etwa sass Werner Scherrer bereits zum sechsten Mal im Publikum. Dort traf er nach 53 Jahren einen ehemaligen Weggefährten wieder: «Bist du nicht auf der Baustelle Zürichsee-Autobahn in den 70er-Jahren gefahren?» – «Doch, das war ich.»
Solche Begegnungen gab es zu Hunderten. Und nach dem Vortrag wurde weitergeredet. Bei einem einfachen Teller Gehacktem mit Hörnli und Apfelmus tauchten Erinnerungen auf, die man längst verloren glaubte. «Weisch no denn …» – und schon war man wieder mittendrin.
Besonders wichtig ist Hans Sigrist heute jedoch der Blick auf die nächste Generation. Zwar wird am 5. November in Lyss sein letzter öffentlicher Vortrag stattfinden. Danach möchte er seine Erfahrungen weiterhin kostenfrei in Berufsschulen und Oberstufen weitergeben. Denn die Nutzfahrzeugbranche braucht Nachwuchs – und Sigrist möchte jungen Menschen zeigen, wie vielseitig, spannend und menschlich diese Arbeitswelt sein kann.
Finanziell stand für ihn nie der eigene Gewinn im Vordergrund. Wo Gagen, Eintrittsgelder oder Überschüsse anfielen, wurden sie an Institutionen, die Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung weitergegeben. Die Spendensummen belaufen sich inzwischen auf mehrere tausend Franken
Nun geht es am 5. November im Weissen Kreuz in Lyss noch einmal um alles, was diese Vortragsreihe ausgemacht hat: Geschichten, Bilder, Begegnungen und ein halbes Jahrhundert Leben mit und im Nutzfahrzeug.
Der Saal bietet Platz für 400 Menschen. Hans Sigrist hätte allen Grund, sich ein volles Haus zu wünschen – nicht zuletzt als schönes Geschenk zu seinem bevorstehenden 80. Geburtstag. Und vielleicht gibt es am Ende wieder diesen einen Moment, in dem sich zwei Menschen im Saal anschauen und sagen: «Weisch no denn …?»
5. November 2026, Forum Lyss, Weisses Kreuz Lyss – letzter öffentlicher Vortrag von Hans Sigrist.
