ASTAG-GV in Genf: Zwischen politischem Druck und wachsender Verantwortung

In schmucken Uniformen mit viel Tradition eröffneten die „Vieux Grenadiers de Genève“ am 30. April die Generalversammlung des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbands ASTAG in Genf. Der feierliche Auftakt bildete den Rahmen für eine Versammlung, die deutlich machte: Die Branche steht unter Druck – und sieht sich zugleich als unverzichtbarer Pfeiler der Schweizer Wirtschaft.


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ASTAG-GV in Genf: Zwischen politischem Druck und wachsender Verantwortung

Zentralpräsident Thierry Burkart schlug zu Beginn eine geografische wie symbolische Brücke: Nach der letztjährigen Versammlung in Schaan habe man nun „die andere Seite der Schweiz“ erreicht. Inhaltlich ging es jedoch rasch um globale Entwicklungen, die auch die Schweizer Transportwirtschaft treffen. „Die Schweiz ist nie direkt, aber immer mit betroffen“, so Burkart mit Blick auf steigende Treibstoffpreise und die schwächelnde Nachfrage in wichtigen Märkten wie Deutschland. Im Inland bleibt der politische Druck hoch. Dennoch sieht Burkart den Verband gut positioniert: ASTAG bleibe „eine wirkungsvolle Stimme unserer Branche“. Voraussetzung dafür sei jedoch ein starker innerer Zusammenhalt – ein „zentrales Erfordernis“ in herausfordernden Zeiten.

Ein wichtiges Thema war die Weiterentwicklung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA). Der rund 70-seitige Bericht der ASTAG habe Wirkung gezeigt. „Wir dürfen anerkennen, dass ein ernsthafter Dialog entstanden ist und unsere Fingerzeige in der Vernehmlassung aufgenommen wurden“, erklärte Burkart. Als konkretes Beispiel nannte er den siebenjährigen Vorlauf vor der Abklassierung von Nutzfahrzeugen. Insgesamt sei das Ergebnis „nicht perfekt, aber gut“. Nach den Beratungen in Kommission und Ständerat wird mit einer Umsetzung bis 2031 gerechnet.

Die Bedeutung der Branche unterstrich Burkart auch mit Zahlen: Der Schweizer Strassentransport leiste jährlich rund 1,7 Milliarden Franken zur Finanzierung des Güterverlagerungsauftrags auf die Schiene. Dass derzeit wieder mehr Güter auf der Strasse transportiert werden, sei nicht dem Strassentransport anzulasten, sondern strukturellen Problemen im Bahnverkehr geschuldet. Insbesondere der unzuverlässige Zulauf aus Deutschland sowie zahlreiche, schlecht koordinierte Baustellen führten dazu, dass bis zu 25 Prozent der Bahntransporte stark verspätet oder gar nicht ankämen. „Unsere Branche fängt diese Fehlentwicklung auf“, so Burkart.

Politische Unterstützung erhielt die ASTAG aus Genf selbst. Staatsrat Pierre Maudet zeigte sich erfreut, dass der Verband den Weg in den „Canton du far west“ gefunden habe. Genf sei als „Tor der Westschweiz“ für den internationalen Handel besonders gefordert – unter anderem durch tägliche Staus von bis zu fünf Stunden. Gleichzeitig leide der Kanton seit zwei Jahrzehnten unter Dauerbaustellen im Schienenbereich. „Wir teilen eine Reihe politischer Kämpfe – und wir sind auf Ihrer Seite“, betonte Maudet. Positiv hob er die zugesagten Bundesmittel von einer Milliarde Franken für die Umfahrungsautobahn um Genf hervor. Auch Andrea Genecand, Präsident der ASTAG-Sektion Genf, unterstrich die Bedeutung funktionierender Verkehrsflüsse auf der Strasse – insbesondere für einen so international ausgerichteten Kanton wie Genf.

Im statutarischen Teil der Versammlung wurde unter anderem das neue Programm „ASTAG Charge“ vorgestellt. Zudem kam es zu personellen Veränderungen: Die langjährigen Zentralvorstandsmitglieder Heinrich Marti und Paolo Naselli wurden verabschiedet. Neu ins Vizepräsidium gewählt wurde Marco van Bergen.

Die Generalversammlung zeigte deutlich: Die Herausforderungen im Strassentransport wachsen – doch ebenso ihr Anspruch, aktiv an Lösungen mitzuwirken.


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