Automobilsalon Genf GIMS: Geld aus Katar
Die Signale verdichten sich, dass die Durchführung der nächsten Geneva International Motor Show GIMS – zumindest in finanzieller Hinsicht – gesichert ist.


Lange war die Sorge gross, dass sich der Autosalon Genf von der Strukturkrise der Messebranche und dem zweimaligen Corona-Ausfall nie mehr erholen würde und nach 90 Durchführungen ganz einfach verschwinden würde. Inzwischen hat die GIMS (Geneva International Motor Show) zwar die Anmeldung für die Ausgabe 2022 eröffnet, doch wie es finanziell um die Stiftung des Autosalons steht, war kaum in Erfahrung zu bringen. Hinzu kamen Auseinandersetzungen mit dem Kanton Genf, die die Zukunft der Veranstaltung in Frage stellten.
Doch inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass die Veranstaltung mit bislang rund 600’000 Besuchern im kommenden Frühling zur Austragung gelangt. Der Retter kommt dem Anschein nach aus dem arabischen Emirat Katar, das die finanziellen Probleme der Stiftung, die als Veranstalter hinter dem Salon steht, als Partner gelöst hat.
Die Interessen der Katari
Die Partnerschaft mit einer Investmentgesellschaft aus dem Emirat ist so ausgelegt, dass die arabischen Finanziers die Erfahrungen und vor allem das internationale Netzwerk der Genfer für eine eigene Automesse nutzen wollen. Nach diversen sportlichen Grossveranstaltungen wie der Fussball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr interessiert sich das Golf-Emirat für die Durchführung weiterer internationaler Veranstaltungen.
Gegenüber Schweizer Medien bestätigte Messedirektor Sandro Mesquita die Verhandlungen mit internationalen Partnern. Allerdings bleiben die genauen Details offiziell noch im Dunkeln. Erst gegen Ende des Monats sollen die Identität des Geldgebers und die weiteren Pläne veröffentlicht werden. Die neugestaltete Messe wird im kommenden Jahr zwischen dem 19. und 27. Februar stattfinden. Die Ausschreibungen sind vor einigen Wochen an die Automobilhersteller verschickt worden. «Mein Team und ich können es kaum erwarten, unser Konzept den Ausstellern und anschliessend der Öffentlichkeit zu präsentieren», erklärte damals dazu Sandro Mesquita.
Anders als früher, aber dennoch mit Fokus Auto
Allerdings wird sich der Genfer Automobilsalon im kommenden Jahr von den bisherigen Veranstaltungen unterscheiden. Die Verantwortlichen haben die Ausstellungsfläche um rund 20 Prozent reduziert, und gleichzeitig wollen die Genfer Organisatoren das «Ganze Ökosystem der Mobilität» zeigen. Laut einem Social-Media-Post soll die Messe – gemeint sind vermutlich die vorgängigen Medien-Tage – online live übertragen werden. Im Gegensatz zur deutschen IAA, wo im September 2021 mehr Fahrradhersteller als Automobilproduzenten ihre Neuheiten zeigen, wird am Genfer See aber auf jeden Fall das Automobil mit allen Antriebsarten im Mittelpunkt stehen, versichern die Planer.
Die Nachricht, dass der Genfer Automobilsalon wieder eine Zukunft hat, dürfte vor allem in Genf für ein Aufatmen gesorgt haben. Zwar zeigte sich die linke Regierung der Stadt in der Vergangenheit nicht gerade autofreundlich, doch die finanziellen Auswirkungen des Salons nehmen vor allem die Hoteliers und Gastronomen der Metropole am Lac Leman gerne mit. Nach einer Berechnung der Uni Genf spült die Messe rund 200 Millionen Franken in die Kassen der lokalen Wirtschaft.