Test: «Platooning» ist sicher, aber …
Die in Deutschland durchgeführten «Platooning»-Tests haben die Erwartungen teilweise erfüllt: Die Fahrten waren sicher und funktionierten zuverlässig. Indessen wurden durch das Fahren im Windschatten «nur» 4 Prozent Treibstoff eingespart.


Vor allem Verkehrsingenieure sind von der Idee des «Platooning», welches das teilautonome Fahren in der Praxis ermöglichen soll, begeistert. Demnach sollen mehrere digital vernetzte Lastwagen auf Autobahnen mit geringeren Sicherheitsabständen in der Gruppe (im «Platoon») fahren. Das Ziel: Durch das Fahren im Windschatten kann Treibstoff gespart werden.
Forschungsprojekt «EDDI» abgeschlossen
Um die Praxistauglichkeit des «Platooning» zu testen, sind in Deutschland auf einer Teststrecke zwischen München und Nürnberg von August bis Dezember 2018 rund 35'000 Kilometer zurückgelegt worden. Jetzt ist das Forschungsprojekt «elektronische Deichsel» («EDDI»), das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit rund 1,9 Millionen Euro unterstützt worden ist, abgeschlossen worden.
Das von MAN Truck & Bus, DB Schenker und der Hochschule Fresenius getragene Partnerprojekt kommt zum Schluss, dass Fahrten mit vernetzten Lastwagen funktionieren, sicher und technisch zuverlässig sind. «Sie lassen sich gut im Alltag eines Logistik-Unternehmens einsetzen.» Das mit verschiedenen Kameras, Radar und Lidar ausgestattete System hat laut den Forschungspartnern eine «hohe Robustheit» gezeigt und «zu 98 Prozent reibungslos» gearbeitet. Nur alle 2000 Kilometer habe man manuell eingreifen müssen, so Joachim Drees, Vorstandsvorsitzender MAN Truck & Bus.
Auf den Testfahrten waren zwei MAN-Gliederzüge digital vernetzt unterwegs, wobei sie mit einem Abstand von 15 bis 21 Metern fuhren. Der hintere Lastwagen nebst Anhänger reagierte dabei synchron ohne aktives Eingreifen des Fahrers. Bei einscherenden Verkehrsteilnehmern oder vor Autobahnbaustellen löste sich der Platoon auf.
Es ist dies eines der Probleme, welches «Platooning» mit sich bringt. Insbesondere bei Autobahneinfahrten könnten grössere «Platoons» in der Praxis Probleme für die anderen Verkehrsteilnehmer verursachen.
Geringere Treibstoffeinsparungen als erwartet
Letztlich dürfte die Störung des «Platoons» durch andere Verkehrsteilnehmer auch der Hauptgrund sein, weshalb die Testfahrten eine andere Erwartung nicht ganz erfüllen konnten. Demnach sollte das Fahren im Windschatten rund zehn Prozent Treibstoffreduktion mit sich bringen. Effektiv lagen die Einsparungen bei 3 bis 4 Prozent, weshalb man bei MAN Truck & Bus auch davon ausgeht, dass die CO2-Reduktion noch ausbaufähig sei.
Daimler zieht sich vom «Platooning» zurück
Die nun publizierten Forschungsresultate hatten andere Nutzfahrzeughersteller schon früher bewogen, sich strategisch vom teilautonomisierten Fahren im Konvoi zurückzuziehen. So hatte Daimler bereits anfangs Januar 2019 angekündigt, sich im Nutzfahrzeuggeschäft künftig voll auf die Entwicklung weitgehend autonom fahrender Lastwagen zu konzentrieren. Die teilautonome Fahrt im Konvoi («Platooning») wird bei Daimler nicht weiterverfolgt. Stattdessen will die Sparte Daimler Trucks innerhalb von etwa zehn Jahren sogenannte hochautomatisierte Lastwagen auf den Markt bringen.