Der Kurier, der durch die kleinste Lücke passt
Mit nur 85 Zentimetern Spurbreite will Komma Cargo die letzte und die mittlere Meile der urbanen Logistik neu denken. Das elektrische Vierrad verbindet die Wendigkeit eines Lastenrads mit der Kapazität eines Transporters. Auf der IAA Transportation in Hannover wurde das Fahrzeug vorgestellt, das den direkten Weg vom Depot bis zur Haustür sucht.
Der Kurier, der durch die kleinste Lücke passt
Wo sich Lieferwagen in der Blechlawine durch den Stadtverkehr schieben, beginnt für Komma Cargo erst der interessante Teil. Das ultrakompakte Elektro-Vierrad misst gerade einmal 85 Zentimeter in der Spurbreite und soll dort unterwegs sein, wo klassische Transporter und selbst breitere Kleinfahrzeuge an ihre Grenzen kommen: in verstopften Strassen, engen Zufahrten und verkehrsberuhigten Quartieren.
Vorgestellt wurde das Fahrzeug auf der IAA Transportation in Hannover. Die Idee dahinter ist weniger ein neuer Lieferwagen als ein neues Bindeglied in der Logistikkette. Komma Cargo soll sowohl den klassischen Transporter als auch das Lieferfahrrad ersetzen können und zugleich die Lücke zwischen «Last Mile» und «Middle Mile» schliessen.
Damit zielt das Konzept auf einen bekannten Schwachpunkt der urbanen Paketzustellung: Heute werden Sendungen häufig zwischen verschiedenen Fahrzeugen und städtischen Umschlagpunkten umgeladen. Komma will diesen Zwischenstopp einsparen. Statt vom Depot zum Hub und anschliessend mit einem anderen Fahrzeug zur Kundschaft soll die Ware direkt bis zur Haustür gelangen – mit demselben Fahrzeug.
Das könnte gerade bei zeitkritischen Sendungen interessant sein. Nach Angaben von Komma kann Cargo in der Same-Day-Delivery Ladefenster von bis zu zwei Stunden bedienen und dabei ein grösseres Liefergebiet abdecken, ohne zusätzliche Infrastruktur aufzubauen.
Auch bei der Produktivität legt das Unternehmen Zahlen vor. Tests hätten gezeigt, dass eine volle Transporterladung 19 Prozent schneller ausgeliefert werden konnte. In einer achtstündigen Schicht wurden demnach 22 Prozent mehr Pakete abgefertigt. Die Fahrerproduktivität soll um 20 bis 40 Prozent steigen – entsprechend könnten die Betriebskosten sinken. Komma betont allerdings, dass diese Werte stark von Route, Flottengrösse und Betriebsmodell des jeweiligen Betreibers abhängen.
Technisch bleibt der Cargo bewusst kompakt: Das 330 Kilogramm leichte E-Fahrzeug fasst bis zu 1000 Liter Ladung, verfügt über einen 15-kWh-Modulakku und kommt bis zu 160 Kilometer weit. Für die Fahrt reicht ein normaler PW-Führerschein.
Auch die Klimabilanz fällt laut Hersteller entsprechend positiv aus. Über einen Nutzungszyklus von rund 100'000 Kilometern soll Komma Cargo gegenüber einem Elektro-Lieferwagen rund 13 Tonnen CO₂ einsparen und 70 Prozent weniger Betriebsenergie benötigen.
Und wenn trotz aller Kompaktheit einmal etwas klemmt, setzt Komma auf Kundennähe: Servicestationen sollen in der Nähe der Betreiber angesiedelt werden und schnelle Hilfe ermöglichen. Das kleine Fahrzeug ist damit Teil eines ziemlich grossen Versprechens: weniger Umladen, weniger Umwege – und ein direkterer Weg vom Paketlager zur Wohnungstür.