Elektroautos als Stromspeicher? Der V2G-Test nimmt Fahrt auf
Elektroautos könnten weit mehr als nur fahren. In Deutschland zeigt ein Grossversuch, wie sie das Stromnetz stabilisieren können. Das sogenannte Vehicle-to-Grid steht vor einem möglichen Durchbruch.
Elektroautos als Stromspeicher? Der V2G-Test nimmt Fahrt auf
Derzeit 700 Elektrofahrzeuge erproben n Deutschland eine Schlüsseltechnologie der Energiewende: das Vehicle-to-Grid (V2G). Hinter dem Feldversuch stehen der Netzbetreiber TransnetBW und der britische Energieanbieter Octopus Energy. Ihr gemeinsames Projekt OctoFlexBW testet unter realen Bedingungen, wie sich in Autobatterien gespeicherter Strom gezielt ins Netz zurückspeisen lässt.
Seit dem Start im Juni 2024 wurde die Flotte kontinuierlich erweitert. Erste Ergebnisse zeigen: Pro Tag konnten rund 2 Megawattstunden mobilisiert werden – durchschnittlich 2,86 kWh pro Fahrzeug. Auf den ersten Blick ist das wenig, entspricht es doch weniger als fünf Sekunden der Leistung eines EPR-Kernreaktors. Doch hochgerechnet offenbart sich ein enormes Potenzial: Eine Million Fahrzeuge könnten bis zu 3.000 MWh einspeisen – genug für fast zwei Stunden Stromproduktion eines Grossreaktors.
Neben der technischen Machbarkeit liefert das Projekt wichtige Erkenntnisse für Abrechnungssysteme und regulatorische Fragen. Denn die teilnehmenden Fahrzeughalter werden für ihre Einspeisung vergütet. Die Mehrheit berichtet zudem von unverändertem Komfort und spürbaren Einsparungen bei den Stromkosten.
Während V2G in Frankreich nur langsam vorankommt, zeigt Deutschland mit OctoFlexBW einen pragmatischen Ansatz. Der nächste Schritt ist bereits geplant: eine Ausweitung auf 1.000 Fahrzeuge sowie die Integration von Heimspeichern – ein weiterer Baustein für ein flexibleres Stromnetz.