Kombi-Power im Premium-Segment
Lotus hat sein elektrifiziertes Portfolio um ein ungewöhnliches Antriebskonzept ausgebaut. Der neue Eletre X kombiniert einen leistungsstarken Elektroantrieb mit einem Zweiliter-Turbobenziner, der ausschliesslich als Stromgenerator arbeitet. Die Innovation wirft aber auch Fragen auf.
Kombi-Power im Premium-Segment
Mit dem Eletre X präsentiert Lotus eine Variante seines Sport-SUV, die sich bewusst von klassischen Hybridkonzepten absetzt. Im Zentrum steht ein sogenannter Range-Extender-Antrieb: Ein 2,0-Liter-Turbomotor treibt keinen der Räder direkt an, sondern fungiert ausschliesslich als Generator für die Stromversorgung des elektrischen Antriebsstrangs. Damit verfolgt die britische Sportwagenmarke das Ziel, die Vorteile eines Elektrofahrzeugs mit den Langstreckenqualitäten eines Verbrenners zu verbinden.
Technisch wirkt das Konzept durchaus beeindruckend. Eine 70-kWh-Batterie ermöglicht laut Hersteller eine rein elektrische Reichweite von bis zu 350 Kilometern. Sinkt der Ladezustand, übernimmt ein 150-kW-Generator die Energieversorgung. Zusammen soll dies eine kombinierte WLTP-Reichweite von mehr als 1'200 Kilometern ermöglichen – ein Wert, der selbst viele moderne Dieselmodelle übertrifft.
Auch bei den Fahrleistungen setzt Lotus auf Superlative. Die Topversion Eletre X H1000 mobilisiert bis zu 700 kW (952 PS) und ein maximales Drehmoment von 935 Nm. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in lediglich 3,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Bemerkenswert ist dabei das Versprechen, die volle Leistung auch bei niedrigem Batteriestand weitgehend abrufen zu können – ein Punkt, an dem viele reine Elektrofahrzeuge an Grenzen stossen.
Ebenso ambitioniert sind die Ladeeigenschaften. An einer 350-kW-Schnellladesäule soll der Energiespeicher in nur neun Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen werden. Sollte dieser Wert unter realen Bedingungen erreichbar sein, würde der Eletre X zu den schnellsten Lademeistern seiner Klasse zählen. Trotz zusätzlicher Hybridtechnik soll das Fahrzeug sogar bis zu 120 Kilogramm leichter sein als das bisherige vollelektrische Spitzenmodell Eletre 900.
Dennoch bleibt eine kritische Frage offen: Ist der Range-Extender tatsächlich ein Fortschritt oder lediglich eine Übergangslösung für Kunden, die dem vollelektrischen Fahren noch nicht vollständig vertrauen? Der Eletre X zeigt eindrucksvoll, wie leistungsfähig moderne Elektrifizierung geworden ist. Gleichzeitig verdeutlicht er, dass die Industrie weiterhin nach Wegen sucht, Reichweitenangst und unzureichende Ladeinfrastruktur als zentrale Hürden der Elektromobilität zu überwinden.