Ladeinfrastruktur unter Druck: Branche fordert klare Regeln für die Schweiz
Vier führende Schnellladeanbieter erhöhen den politischen Druck: AVIA Volt, Electra, Fastned und Ionity fordern vom Bund eine Neuordnung des Marktes. In einem gemeinsamen Schreiben an Bundesrat Albert Rösti verlangen sie klare Spielregeln, um den Ausbau urbaner Ladeinfrastruktur zu beschleunigen. Ihr Ziel ist ein wettbewerbsfähiger, transparenter und nutzerfreundlicher Markt.
Ladeinfrastruktur unter Druck: Branche fordert klare Regeln für die Schweiz
Der Hintergrund ist klar: Trotz wachsender Elektromobilität bleibt das Ladeerlebnis in vielen Schweizer Städten fragmentiert. Fehlende Transparenz, hohe Preise von bis zu 1.20 CHF/kWh und uneinheitliche Bezahlsysteme prägen den Alltag. Die Anbieter sehen die Ursache nicht im fehlenden Kapital, sondern in strukturellen Marktverzerrungen.
Kritisch sei insbesondere die Mehrfachrolle öffentlicher Akteure: In einigen Kantonen treten sie gleichzeitig als Netzbetreiber, Regulator und Ladepunktbetreiber auf. Diese Konstellation schafft Interessenkonflikte und erschwert den Marktzugang für private Investoren. Gleichzeitig behindern lokale Insellösungen die Entwicklung eines interoperablen, schweizweiten Ladenetzes.
Internationale Beispiele zeigen laut den Unternehmen, dass klare Entflechtungsregeln Wettbewerb und Innovation fördern. Wo unabhängige Anbieter agieren, profitieren Nutzer von besserer Qualität, zuverlässigeren Stationen und faireren Preisen.
Die Forderungen an das UVEK sind entsprechend konkret. Erstens soll eine klare Trennung zwischen Verteilnetzbetreibern und Ladepunktbetreibern eingeführt werden. Zweitens sollen Kantone und Gemeinden Ladeinfrastruktur konsequent ausschreiben und öffentliche Flächen gezielt auch für Schnellladestationen bereitstellen. Drittens fordern die Unternehmen verbindliche Standards für Interoperabilität, transparente Preise und universelle Zahlungsmethoden.
Darüber hinaus plädieren die Unterzeichner für nationale Leitlinien, die Interessenkonflikte systematisch vermeiden und Investitionssicherheit schaffen.
Die Botschaft ist deutlich: Während die Schweiz beim Schnellladen entlang der Autobahnen bereits international mithalten kann, droht sie im urbanen Raum zurückzufallen. Ohne klare regulatorische Rahmenbedingungen könnte der flächendeckende Umstieg auf Elektromobilität ins Stocken geraten.